Werk

"Händel sagt, er werde nächsten Winter nichts komponieren, aber ich hoffe, ihn dazu zu überreden, eine weitere, von mir zusammengestellte Bibeltext Sammlung zu vertonen, und sie zu seinem eigenen Vorteil in der Karwoche aufzuführen. Ich hoffe, dass er sein ganzes Talent und Geschick darauf verwenden wird, damit diese Komposition alle seine frühern Kompositionen übertreffen möge, so wie das Thema jedes andere Thema übertrifft. Das Thema ist der Messias..."

Charles Jennens an Edward Holdsworth,
10. Juli 1741

Der Messiah ist ein Oratorium, und als solches ist er gewissen Regeln unterworfen, die denen des Theaters nicht unähnlich sind. Er will uns für eine dramatische Geschichte interessieren, die er in Einzelereignissen darstellt. Dennoch ist eines festzuhalten: Christus, die zentrale und einzige Person der Handlung, tritt niemals unmittelbar in Erscheinung. Zwei kurze narrative Abschnitte ausgenommen, sind die verwendeten Texte nicht den Evangelien entnommen. Im Textbuch kommen die Propheten zu Wort, der Apostel Paulus, der heilige Johannes der Offenbarung. Es dreht sich alles um eine Person, die wir niemals zu Gesicht bekommen.

Anders als in den grossen protestantischen Passionen ist die menschliche Tragödie des leidenden Christus nicht der einzige Gegenstand des Händelschen Meisterwerks. Das Werk ist vielmehr als eine religiöse Betrachtung über das Wirken des Erlösers im Leben des Menschen anzusehen. So ist der Messiah in drei Teile gegliedert, die jeweils Träger einer selbständigen dramatischen Handlung sind. Alles in allem hat der Messiah gleichermaßen liturgische wie theatralische Züge. Ein musikalischer Diskurs von drei Stunden Dauer, der in Szenen gegliedert ist und von der Klangpracht der großen Chöre wirkungsvoll unterstrichen wird, vermittelt den Kern dessen, was wir über unsere Erlösung wissen und beherzigen müssen. Ein erster Teil erklärt die Ordnung Gottes, er erzählt vom Frieden der Lämmer in der Herde, von der Süßigkeit, sein Joch zu tragen; er gipfelt in der Schilderung der Geburt Christi, Der zweite Teil steht in schroffem Gegensatz dazu, er steht im Zeichen der Gewalt. Er spricht zu uns von den unsagbaren Schmerzen Christi, der sich für uns geopfert hat, von der Auflehnung gegen die Ordnung Gottes, von Aufruhr und Kampf, aber er endet mit dem Siegesruf des berühmten "Hallelujah". Der letzte Teil geht uns als Menschen noch unmittelbarer an: es ist unser eigener Tod, den der Sieg des Lammes überwindet und gewissermaßen ungeschehen macht. So ist am Ende nur noch der Segen zu singen und das beglückende Amen.

Handel's Messiah ist mehr als nur ein Musikstück: Das Oratorium stellt ein Denkmal der abendländischen Kultur dar, das durch zweieinhalb Jahrhunderte seit seiner Entstehung den Rang eines Mythos erlangt hat.

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by moxi